Freitag, Februar 18, 2011

» Willkommen in Marburg

So, nach einiger Grübelei habe ich mich entschlossen, meinen ersten Blog-Eintrag der Stadt zu widmen, von welcher ich es kaum erwarten kann, sie endlich hinter mir zu lassen: Marburg an der Lahn. Damit wir uns nicht gleich eingangs missverstehen, ich mag Marburg, fühle mich hier heimisch und bin durchaus gerne hier. Aber so schön dieses idyllische Städtchen auch ist, es ist mir leider zu klein und allmählich – nach nunmehr acht Jahren – zieht es mich wieder in größere Gefilde. Da ich hier allerdings noch zur Abendschule gehe und die Schule keineswegs zu wechseln gedenke, werde ich die kommenden zwei auf zweieinhalb Jahre eh noch hier verweilen. Und deshalb portraitier’ ich das Örtchen an der Lahn mal für all jene, die noch nie hier waren.
 


› ALLGEMEINES 

Marburg befindet sich in Hessen, dem siebtgrößten von insgesamt 16 Bundesländern Deutschlands, und gehört dem Kreis Marburg-Biedenkopf an. Ebenfalls an siebter Stelle steht Marburg im Rang der größten hessischen Städte. Frankfurt am Main ist zwar die größte Stadt, aber nicht die Landeshauptstadt, wie oft fälschlicherweise angenommen wird. Diese ist das kreisfreie Wiesbaden.

Da Marburg bereits die siebtgrößte Stadt in Hessen ist, macht das meines Erachtens ganz gut deutlich, wie klein die hessischen Städte sind. Marburg zählt lediglich 124,5 km² Bodenfläche, knapp 77 km misst die Stadtgrenze. Die Einwohnerzahlen kann man auf verschiedene Weise betrachten. Summa summarum zählt Marburg eine Bevölkerungsdichte von ca. 80.000 Einwohnern, von welchen aber nur schätzungsweise 50.000  in Marburg selbst, der Rest hingegen im zugehörigen Umland lebt. Ein gutes Viertel der gesamten Bevölkerung hingegen besteht aus den Studenten der Universität, die sich hier quer durch die Stadt zieht und diese praktisch am Leben hält. Folgend mal ein eigens angefertigtes Kärtchen zur Verdeutlichung, wo sich Marburg befindet:


(Marburgs Standort in Deutschland | Maßstab 1 zu Irgendwas)


Es mag nicht gerade fair sein, eine Stadt mit einem Gebiet zu vergleichen, aber der Ruhrpott misst vergleichsweise 4.435 km² und ist somit knapp 35 Mal größer als Marburg. Der Niederrhein hat auch einige Tausend km², ist dank der z.T. unklaren Grenzen aber eher schwierig zu berechnen.

Unter’m Strich teilen sich hier also knapp 644 Menschen jeweils einen Quadratkilometer und da die Bevölkerungsdichte in den vergangenen Jahrzehnten beständig zugenommen hat, wird es wohl auch nicht weniger werden. Hier mal eine veranschaulichende Darstellung der Tendenz:
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(Marburgs Bevölkerungsdichte, Anfang 1800 bis 2010)

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Allgemein kann man noch sagen, dass Marburg relativ hoch gelegen ist. Die Stadt ansich hat eine Höhenlage von 186 m, das Schloß liegt bei 287 m und die Lahnberge liegen bei 371,7 m ü. NN. Für die Höhenangaben  übernehme ich natürlich keine Gewähr und dass die Angabe NN für Normalnull seit 1992 ausgedient hat, habe ich mal einfach ignoriert.

Wie eingangs bereits erwähnt, gehört Marburg dem Landkreis Marburg-Biedenkopf an, welcher sich in 22 Städte bzw. Gemeinden unterteilt. Marburg selbst unterteilt sich ferner in 20 Ortsteile und dazukommend in 15 Kernstadt-Bezirke. Darüber hinaus hat Marburg 6 Partnerstädte. Maribor in Slowenien (zu Deutsch: Marburg an der Drau) ist eine davon. Northampton, eine englische Stadt unweit von London, ist eine weitere, die hier namensgebend für den Marburger Northampton-Park war.

Da Marburg auch Marburg an der Lahn genannt wird, durchfließt das Städtchen auch ein Teil der insgesamt 245,6 km langen Lahn. Genau genommen fließt sie nicht nur durch die Stadt, sondern trennt sie auch in zwei Postleitzahlbereiche. Der linksseitige Teil läuft unter 35037, der rechtsseitige unter 35039. Wo in dem Fall links und rechts ist, weiß man, wenn man auf eine eingenordete Karte blickt. Unter einigen Personen hat sich allerdings auch die Bezeichnung ‚Marburg an der Ampel‘ durchgesetzt, was auf die ‚kurzweiligen Rotphasen‘ zurückzuführen ist, derer man sich hier als Autofahrer erfreuen darf.
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› SPEZIFISCHES:
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Neben zahlreichen Regelschulen gibt es hier noch eine Abendschule, auf der man vom Hauptschulabschluss bis hin  zum Vollabitur sämtliche Bildungsabschlüsse nachholen kann. Stärker prägend für Marburgs Stadtbild ist aber die Blindenstudienanstalt, die u.a. auch die Carl-Strehl-Schule (CSS) unterhält. Die Blindenstudienanstalt (blista) beschäftigt laut eigenen Angaben 400 Mitarbeiter (von denen 45 schwerbehindert sind) und zählt zzt. 265 blinde und sehbehinderte Schüler, von denen die Internat-Absolventen in dezentralen Wohneinheiten leben, die sich sowohl im Kernstadtbereich als auch in unmittelbarer Nähe zur blista befinden. Die CSS ist laut eigenen Worten „das einzige grundständige Gymnasium für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler im deutschsprachigen Raum“, auf dem 1992 bspw. die Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler ihren Abschluss machte. Prägsam auf das Marburger Stadtbild ist die blista nicht nur durch ihre Absolventen, die man mal mit, mal ohne weißen Langstock durch die Stadt flitzen sieht, sondern auch durch die Stadt selbst, welche auf die Absolven der blista reagiert hat. Zum einen ist Marburg eine der barriereärmsten Städte Deutschlands, zum anderen sind hier sämtliche Ampelanlagen mit akustischen und taktilen Signalgebern ausgestattet. In den Supermärkten findet man z.T. Tafeln im Eingangsbereich, die eine Wegbeschreibung der Geschäftsräume in Brailleschrift bieten. Zudem werden Ortsneulinge von den Supermarktangestellten auf Wunsch auch geführt. 

Spezifisch ist auch Marburgs Stadtkrone, also das über den Giebeln der Stadt thronende Landgrafenschloß, welches dank abendlicher Beleuchtung auf Kilometer zu sehen ist. Besonders gut sichtbar ist es aus südlicher Richtung, wenn man aus Gießen kommt. Dann ergibt sich ab der hübschen neuen Brücke bei Weimar ein geradliniger Blick, der genau zwischen Gisselberg (links) und Cappel samt Frauenberg (rechts) durchführt und einen das Schloß sehen lässst. Nach längerer Abwesenheit kommt mit diesem Anblick dann immer dieses typische „Zuhause“-Gefühl auf.
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(Das Schloß im Dämmerlicht)







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› SEHENSWÜRDIGKEITEN:

• Der Bau des LANDGRAFENSCHLOSSES geht schätzungsweise auf das 11. Jhrd. zurück und nachdem es früher gern mal besetzt und wieder verloren wurde, dient es heute zumindest teilweise als Museum. Es ist also begehbar. Westlich des Schloßes liegt der Schloßpark samt der geräumigen Freilichtbühne, auf der nebst verschiedenen Veranstaltungen auch Filme durch die Kinobetriebe Marburg aufgeführt werden (natürlich im Frühjahr oder Sommer).

•  KINOS hat es in Marburg drei an der Zahl. Neben dem großräumigen CINEPLEX gibt es schräg gegenüber noch das CAPITOL und am oberen Steinweg residiert das FILMKUNST-THEATER, welches von den Enthusiasten lebt, die es nicht so mit Blockbustern und dergleichen haben.

• Die PHILIPPS-UNIVERSITÄT war die erste protestantische Universität Deutschlands und wurde 1527 von Landgraf Philipp dem Großmütigen gegründet. Marburg ist also eine Universitätsstadt und von den ca. 3.400 Beschäftigten sind ca. 2.000 Personen lehrende und forschende Wissenschaftler, von denen ca. 350 Professoren oder Hochschuldozenten sind. Kurzum ist die Uni also nicht nur eine Brutstätte des Wissens, sondern auch einer der größten Arbeitgeber. Die Gebäude der diversen Fachbereiche ziehen sich dezentral durch gesamt Marburg und während die Türme der sog. Phil Fak wohl die mit Abstand unansehnlichsten Gebäude darstellen, dürfte die ...

ALTE UNI zweifelsohne das ansehnlichste Universitätsgebäude sein, welche im neugotischen Stil des Historismus errichtet wurde und mit einer reich verzierten Aula glänzt, die von der Universität z.B. zwecks Zeugnisvergaben genutzt wird. Nebst einer hübschen Aula gab es dort allerdings auch einen Karzer.

• Neben dem Landgrafen Philipp, dem die Stadt ihr universitäres Dasein zu verdanken hat, darf sich Marburg auch bei Elisabeth von Thüringen bedanken, welcher zu Ehren ab 1235 mit dem Bau der ELISABETHKIRCHE (E-Kirche) begonnen wurde. Die E-Kirche ist im Übrigen die erste rein gotische Kirche Deutschlands, gefolgt vom Kölner Dom, dessen Bau im Jahr 1248 begonnen hatte. Elisabeth von Thüringen, welche auch unter dem Namen Elisabeth von Ungarn bekannt ist, galt als katholische Heilige und wurde zu ihrem 800. Geburtstag mit einem Denkmal geehrt, welches an den Außenmauern des SPIEGELSLUST-TURMS über der Stadt thront. Im texanischen Housten der Vereinigten Staaten von Amerika wurde 2004 ein Duplikat der Elisabethkirche mit insgesamt 1.500 Sitzplätzen errichtet. Der Nachbau wurde in einer Stahlbauweise errichtet und soll dem Original recht ähnlich sehen. Grund hierfür war Platzmangel in der gemeindeeigenen St. Martin’s Church.
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(Sanierter Vorhof der E-Kirche)

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• Der SPIEGELSLUST-TURM (eigentlich Kaiser-Wilhelm-Turm) befindet sich 371,7 m ü. NN auf den Lahnbergen und somit knapp 200 Höhenmeter oberhalb der Stadt. Er misst 36 Meter in der Höhe, ist gegen einen kleinen Obulus begehbar und bietet einen wunderbaren Ausblick über Marburg samt Umland. Der Bau des Turms reicht nicht bis ins tiefe Mittelalter zurück und galt auch nicht der Würdigung ‚irgendeiner Prinzessin‘, wie es sich hier gerne von jüngeren Studentinnen zurechtgesponnen wird, sondern er wurde zweimal, und dies weitaus später gebaut. Der erste Bau begann 1874 durch einen Bürgerverein, der den Turm nach Werner Friedrich Julius Stephan von Spiegel benannte. Der Turm sollte zu dieser Zeit sowohl an den deutsch-französischen-Krieg als auch an die Reichsgründung erinnern. Aufgrund seiner schlechten Statik stürzte der Turm aber zwei Jahre später während eines Orkans wieder ein. Von 1887 bis 1890 dauerte dann die zweite Bauphase, welche den Turm auf die heutigen 36 m brachte. Der fertige Turm wurde Kaiser Wilhelm I. gewidmet, weshalb er auch als Kaiser-Wilhelm-Turm geläufig ist.

Der Turm verfügt über ein hauseigenes Turm-Café und knapp 300 m entfernt findet sich das Restaurant Café Spiegelslust, von welchem man einen gleichermaßen guten Ausblick über die Stadt hat wie vom Fuße des Turmes selbst. 

An den Außenmauern des Turmes hängt seit 2006 ein stilisiertes Herz, welches von der Künstlerin Helmi Ohlhagen geschaffen und von der Stadt 2007 in Betrieb genommen wurde. Das in 30 m Höhe hängende Herz gilt dem 800. Geburtstag Elisabeth von Thüringens und aufgrund der regen Nutzung wurde es nach dem geplanten Jahr nicht wieder deinstalliert, sondern hängengelassen. Mit einem Anruf der Telefonnummer 09005-771207 (49 Cent/Min.) bringt man das Herz zum Aufleuchten, was hier abends  nicht selten zu beobachten ist. Die Einnahmen aus den Anrufen gehen an diverse soziale Einrichtungen und via Webcam ist der Turm samt Herz auch vom heimischen Rechner aus zu betrachten. Zur »Webcam«.
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(Das Turmherz aus der Froschperspektive)




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Zu guter Letzt rankt sich um den Turm die Sage, dass Studenten ihn nicht vor ihrer Abschlussprüfung besteigen dürfen, da diese ihre Prüfung sonst niemals erfolgreich bestehen werden. Für die Studenten unter Euch, egal ob de facto oder in spe, also mal ein Bild vom obersten Punkt des Turmes:
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(So sieht’s da oben also aus)

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• Da in Marburg eine Menge Gebäude historisch sind, werde ich jetzt nicht mehr alle einzeln portraitieren, sondern lediglich noch den Marktplatz (»Webcam«) in der historischen OBERSTADT erwähnen. Die Oberstadt selbst ist über verschiedene Wege erreichbar. Wenn man vom Bahnhof, der Ketzerbach oder E-Kirche kommt, empfiehlt es sich, den Steinweg hochzulaufen, welcher sich auf drei Ebenen gliedert. Hat man das nötige Kleingeld und residiert bspw. im Hotel auf der Pilgrimstein, dann wäre es sinnvoller, den OBERSTADT-AUFZUG zu nehmen. Da spart man nicht nur immens an Zeit, sondern auch schwer an Atem. Die Alternative wäre nämlich die Treppe rechts vom Oberstadt-Aufzug. Eine Treppe mit eindeutig zu vielen Stufen! Wer allerdings auf Treppensteigen steht, dem empfiehlt es sich, vom Südviertel aus zum Schloß hochzulaufen. Dieser Weg wartet nämlich nicht nur mit zahlreichen Stufen auf, sondern hält die längste Treppe auch hübsch bis zum Schluss parat. Kaum dass man denkt, man hat's geschafft, kommt erst noch der aufwendigste Teil des Weges. Aber keine Sorge, knapp unterhalb der Schloßmauer findet sich ein Café mit Außenterrasse, in dem man sich nach dem Aufstieg in Ruhe eine Rauchen kann. Kostenlose Sitzplätze hingegen bietet die Schloßmauer, auf der es sich wunderbar sitzen und sinnieren lässt.

• Ebenfalls am Schloß befindet sich die CAMERA OBSCURA. Sollte diese gerade betrieben werden (typischerweise von einem Studenten der Physik), so empfehle ich, die Gelegenheit durchaus mal spontan wahrzunehmen. In der Regel muss man etwas warten, aber es lohnt sich. Was eine Camera Obscura ist, kann man »hier« nachlesen.

• Zwischen Südviertel und Schloß, unmittelbar über der Oberstadt gelegen, findet man die LUTHERISCHE PFARRKICHE, an der man auf dem Weg zum Schloß längst vorbeigekommen ist. Auf dem Rückweg empfiehlt sich ein kurzer Abstecher. Sollte die Kirche geschlossen sein, so bleibt einem immer noch der Kirchhof, von welchem aus man eine nennenswerte Aussicht auf die unterhalb gelegene Oberstadt hat. Die vorstehenden Stützpfeiler der Mauer werden bei gutem Wetter auch schonmal gern von Studenten zum Lernen oder von Touristen zum Rumsitzen genutzt:
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(Kostenlose Sitzplätze am Kirchhof)

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• Ansonsten sei noch der NEUE BOTANISCHE GARTEN genannt. Dieser befindet sich auf den Lahnbergen unterhalb des Max-Planck-Instituts und eignet sich dank seiner 20 Hektar bestens für Leute, die gerne im Grünen spazierengehen. Da ich an Nächstenliebe glaube, möchte ich den latent Suizidgefährdeten nicht vorenthalten, dass sich dort oben diverse Nachtschattengewächse finden – so wie bspw. Tollkirschen. Da der Neue Botanische Garten zu Fuß schlecht zu erreichen ist, fährt man am besten mit dem Pkw (Ausfahrt Karl-von-Frisch-Straße).


• Der ALTE BOTANISCHE GARTEN hingegen ist weitaus kleiner und befindet sich in der Stadt selbst, unmittelbar zwischen Pilgrimstein und Biegenstraße, womit er eine beliebte Abkürzung für allerlei Wege darstellt. So wie bspw. das Lahnufer stellt auch der Botanische Garten einen der beliebtesten Zufluchts-Orte zur heißen Jahreszeit dar. Im Sommer sieht’s dort nicht mehr nach Park aus, sondern nach Liegewiese im Freibad.

• In unmittelbarer Nähe des Botanischen Gartens war mal die MARBURGER BRAUEREI, wo sich heute ein Parkplatz befindet. Gegenüber des neu errichteten Parkplatzes befindet sich Marburgs einziges und somit auch überteuertes Parkhaus. Um die Brauerei ist es zwar schade, aber da Marburg alles bis auf Parkplätze hat, empfinde ich die Idee mit dem Parkplatz nicht zwingend als die dümmste. Auf dem Parkplatz stehengelassen wurde übrigens der Sockel des Brauhaus-Schornsteins.
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(Brauereiturm und Turm im Hintergrund)




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• In der Nähe der Alten Universität findet sich auch der NORTHAMPTON-PARK, den man über den TROJEDAMM erreicht. Der Park selbst hat einen Kinderspielplatz, verschiedene Spiel-Elemente und ein Tanzglockenspiel, das mit den Füßen bedient wird. Der Trojedamm, auf dem man auch den Bootsverleih samt seines Terrassen-Cafés findet, zieht sich entlang des Lahnufers und stellt für Personen, die gerne spazierengehen, eine hübsche Flaniermeile dar. Ebenfalls an den Trojedamm angrenzend liegt das MARBURGER WEHR, welches nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern auch ein beliebter Erholungsort ist. Ein Stückchen weiter findet man gegenüber des Uni-Stadions eine rundum erneuerte Brücke, die über die Lahn und direkt ins Südviertel führt (also in den Stadtteil unterhalb des Schloßes). Kreuzt man nicht die Brücke, sondern läuft den Trojedamm noch etwas weiter durch, kommt man zum AQUAMAR. Läuft man den Trojedamm noch weiter durch, findet man am Ende der Liegewiesen des AquaMars einen Minigolfplatz, hinter diesem einen Campingplatz und – wenn man nicht beizeiten umdreht – auch irgendwann die Stadtgrenze. Sollte man versehentlich bis dort durchgelaufen sein, hat man kurz zuvor die Stadtwerke passiert. Man kann also zu diesen zurücklaufen und von dort aus mit dem Bus zurück in die Stadt fahren. Die Fahrt dauert keine zehn Minuten und kostet einen Menschen jenseits der Volljährigkeit 1,70 Euro. Gleich an den Stadtwerken findet sich im Übrigen auch ein kostenloser Park+Ride Parkplatz (siehe Link am Ende des Artikels).


› AUSFLUGSZIELE IM UMLAND:

Wie ganz Hessen ist Marburg samt seines Umlandes entsprechend ländlich geprägt, womit sich entsprechende Ausflugsziele ergeben. Aber mehr als eine handvoll werd ich nicht erwähnen ...

• Südlich des Spiegelslust-Turms und oberhalb vom Ortsteil Cappel befindet sich der FRAUENBERG samt der BURGRUINE-FRAUENBERG. Wer den Weg dorthin auf sich nimmt, wird oben angekommen mit einem 360-Grad-Panoramablick belohnt. Einkehren können Spaziergänger im nahegelegenen Hotel Seebode.

• Knapp 11 km östlich von Marburg, unmittelbar hinter den Lahnbergen, liegt das beschauliche AMÖNEBURG. Um das kleine Städtchen etwas näher zu betrachten, muss man erstmal bis nach oben. Amöneburg liegt bei 365 m ü. NN und wenn das Auto die Auffahrt überlebt hat, dann kommt man da oben auch auf seine Kosten. Amöneburg ist gleichermaßen wie Marburg recht mittelalterlich geprägt, was man u.a. gut an dem kleinen aber feinen Marktplatz sehen kann. Am Fuße des Bergs befindet sich übrigens die BRÜCKER MÜHLE, wo man sich mit Bio-Produkten eindecken, einkehren und sowohl etwas trinken als auch die alte Mühle besichtigen kann. Ich meine, dass dort irgendwo eine Fotographie rumhing, die Prinz Charles als Gast der Mühle zeigt.

• Prominenz fand sich auch etwas weiter von Marburg entfernt. Zwischen Marburg und Gießen liegt das Dörfchen Friedelhausen samt des 1851 errichteten SCHLOSS FRIEDELHAUSEN. Da es sich seit jeher in Privatbesitz befindet, ist es zwar nicht von Innen zu besichtigen, aber aufgrund der spätgotischen Bauweise aus dunklem Lungstein lohnt sich auch ein Blick auf die Außenmauern. Die eingangs erwähnte Prominenz war  RAINER MARIA RILKE, welcher im Sommer 1905 gemeinsam mit seiner Frau, der Bildhauerin und Malerin Clara, auf einige Wochen bei der Gräfin Schwerin zu Besuch war. Laut eines Online-Artikel vom Juni 2010 und eindeutiger Fotographien, befindet sich das Gebäude heute allerdings in einem maroden Zustand und müsste dringend restauriert werden (Gott, das bricht mir mein Herz, ich liebe dieses Gebäude!).

• Zu guter Letzt sei noch das Örtchen Rauischholzhausen genannt, das sich ca. 15 km südöstlich  von Marburg befindet. Ein beliebtes Ausflugsziel ist SCHLOSS RAUISCHHOLZHAUSEN samt der großzügigen Parkanlage, die im Stil englischer Landschaftsgärten angelegt wurde und sich hervorragend zum gemütlichen Flanieren eignet. Es empfiehlt sich aber eher unter der Woche dorthin zu fahren, da es am Wochenende überlaufen sein soll. Im Sommer dient das Schloß bzw. dessen Vorhof auch als Freilicht-Theater.
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(Schloß Rauischholzhausen)
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 › MARBURGER FESTIVITÄTEN:

Dank des jährlichen MARKTFRÜHSCHOPPEN ist Marburg Austragungsort des „kürzesten Volksfest Deutschlands“ (so der Veranstalter). Das Fest findet auf dem Marktplatz statt und wie der Name bereits verrät, ist die Veranstaltung kein Kaffeekränzchen.

So beschaulich es hier auch sein mag, Marburg gönnt sich mehr als nur einen WEIHNACHTSMARKT. Es gibt hier jedes Jahr zwei Weihnachtsmärkte, welche jeweils am Samstag vor dem 1. Advent eröffnet werden. Der eine Weihnachtsmarkt befindet sich auf dem sanierten Grund und Boden der Elisabethkirche, der andere vor den Toren des Rathauses auf dem Marktplatz.

Jeden August findet im Schloßpark ein zweitägiger MITTELALTERMARKT statt, den man sich ebenfalls nicht entgehen lassen sollte. Nebst dem kulinarischen Angebot gibt es Stände, die diverse Handwerksberufe aus mittelalterlicher Sicht vorstellen. Genau genommen ist es das emanzipierteste Fest, das ich kenne. Für die Männer gibt es einen Stand, der Gerstensaft in ansehnlichen Ton-Schoppen ausschenkt, für die Frauen gibt es genügend Stände, die zum Shoppen einladen, und für Kinder wird mit verschiedenen Darbietungen gesorgt. Und sollte postum Abenddämmerung der »Schwarze Tod « umgehen, so kommen Männlein und Weiblein samt Nachwuchs sogar gemeinsam auf ihre Kosten. Prost!
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(Mittelaltermarkt)
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Das bekannteste Stadtfest ist allerdings 3 TAGE MARBURG (3TM), das immer am 2. Wochenende im Juli stattfindet und vom Marbuch Verlag organisiert wird. Gewissermaßen ist dann Ausnahmezustand, was besonders für sämtliche Marburger gilt, die in der Kernstadt wohnen und sich am Dauerlärm der Touristen erfreuen dürfen (so ging’s mir gute 4 Jahre lang). Außer einer handvoll Lärm bietet 3TM aber auch zig Märkte und Bühnen, auf denen über die drei Tage verteilt um die 60 Musiker jeglicher Couleur einen zum Besten geben. Von Rock und Pop bis hin zur Klassik ist eigentlich alles irgendwie vertreten. Da es schwierig ist, soviele Aktivitäten in drei Tagen an nur einem Ort stattfinden zu lassen, erstreckt sich das Festgelände praktisch durch die ganze Stadt. Remmidemmi an der Lahn, Halligalli in der Oberstadt und Tohuwabohu im Schloßpark! Aber gut, wer auf Feuerwerk steht, der kann sich am Abend des Eröffnungstages zum Schloß begeben – sofern er es denn schafft, bei den Massen tatsächlich oben anzukommen. Nichts für Ungut, aber mich erinnern die Zustände immer an Sodom und Gomorrha. Sodom steht schließlich für „Brennend“ (Feuerwerk) und Gomorrha für „Überschwemmung“ (die Menschenmassen). Kurzum: Menschen, die an Klaustrophobie leiden, sollten das Feuerwerk tunlichts meiden! Ansonsten kann ich das Stadtfest nur empfehlen. Solange man nicht im Dunstkreis des Lärmpegels wohnt, ist es unterhaltsam.

Zum Schluss noch ein Wort zum jüngsten Stadtfest: die MARBURG B(U)Y NIGHT, mit welcher hier die Vorweihnachtszeit eingeleutet wird. Jedes Jahr im November gibt es einen Abend, an dem die Geschäfte und Boutiquen bis um Mitternacht geöffnet haben. Der eigentliche Charme des Festes geht aber auf das Konto der Lichtinstallationen, mit denen dem nächtlichen Marburg eine ziemlich wirkungsvolle Atmosphäre verliehen wird. Wo auch immer es etwas zu beleuchten gibt, wird etwas beleuchtet, was bislang sehr eindrucksvoll umgesetzt wurde. Da ich bislang nie eigene Fotos von den Installalionen geschossen habe, verweise ich mal auf eine Website, die mit Bildern aufwarten kann: zur »Diashow«, zum »Fotoalbum«.


› AUSGEHEN IN MARBURG

Dank der vielen durstigen Studenten boomt hier natürlich auch die Gastronomie. Es gibt massenhaft Kneipen und Cafés, von denen ich mal einen minimalen Auszug nennen werde. Da ich allerdings kein Freund von Diskriminierungen gegenüber den Rauchern bin, werde ich nur Lokale nennen, die über einen Raucherraum verfügen (selbst Schuld).

In puncto Kneipen fallen mir spontan das Clou im südlichen Teil der Stadt und das Krokodil in Weidenhausen ein. Beides sind Musikkneipen. Im Krokodil kann man Kicker, im Clou dafür Billard spielen. Ansonsten wären noch das Hinkelstein zu nennen, welches direkt am Marktplatz gelegen ist, und das Pegasus, welches sich oberhalb des Marktplatzes befindet. Das Hinkelstein liegt in einem alten Gewölbekeller und hat ’ne urige, aber angenehme Atmosphäre. Das Pegasus hingegen hat einen hübschen Außenbereich mit einigen Biergarnituren und weiteren Einzeltischen. Im Sommer lässt es sich dort gut aushalten und man kann die Nächte gemütlich in die Länge ziehen.

Was die Cafés und Bistros angeht, so ist das Fiona’s perfekt für jene, die dank etwaiger Zugausfälle oder -verspätungen Zeit überbrücken müssen. Kurzum, das Fiona’s liegt direkt am Hauptbahnhof. Unweit von der E-Kirche kann man dann im Café Journal sitzen und klönen. Der Raucherraum  ist übrigens im zweiten Obergeschoss. Am Marktplatz gibt es das Local Central, in dem man im Sommer auch bequem draußen sitzen und rauchen kann, und am Rudolphsplatz befindet sich hinter dem Cineplex das Hugo’s mit seiner kreativen Menükarte und dem urig gemütlichen Außenbereich. Das rosafarbene Gebäude hinter dem Hugo’s ist übrigens die Villa Biedermeier und ebenfalls ein Café. Den billigsten Kaffee gibt es in der Mensa gegenüber des Hugo’s (einmal über die Schwingbrücke) und den besten Kaffee bekommt man in der Kaffeerösterei & Espressobar Bohne am Steinweg. Die Bohne hat zwar kaum Sitzplätze, aber es ist auch eher eine Rösterei, in der man sich selbst mit tollen Kaffeesorten beschenken kann.

An Discotheken und dergleichen gibt es in Marburg lediglich den Funpark und die Kulthallen. Während man im Funpark das Balzverhalten der Generation VIVA beobachten darf, findet man im sog. Kult – zumindest wenn das allmonatliche Hard'n'Heavy ansteht – vorrangig die Liebhaber des Metal, Hardrock, Rock'n'Roll etc.  


› MARBURGER PERSÖNLICHKEITEN (Auszug)

Bekannte Persönlichkeiten hat es hier mehr gegeben, als ich aufzulisten willens bin. Ich denke, einige der Bekanntesten sind diese:

Clemens Brentano
Hauptvertreter der Heidelberger Romantik, lebte mit seiner Frau in der Reitgasse 6.

Paul Duden
 Sohn des Konrad Duden, dem geistigen Vater der DUDEN-Nachschlagewerke.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
schrieb 1841 die deutsche Hymne bzw. das Deutschlandlied.

Jacob und Wilhelm Grimm
Die Gebrüder Grimm studierten u.a. in Marburg und lebten 3 Jahre lang auf der Barfüßerstraße 35.

Robert Wilhelm Bunsen
Der Erfinder des Bunsenbrenners.

Emil von Behring
1. Medizin-Nobelpreisträger, Prof. für Medizin a.d. Universität und Gründer der ehem. Behringwerke.  



› NOCH EIN PAAR FOTOGRAPHIEN

(Comics, Kitsch & Kunst in der Oberstadt)











(Steinweg im Morgendunst)


(Pferdebrunnen am unteren Steinweg)

















(Renovatum am unteren Steinweg)



























(Oberer Steinweg)
(Blick aus meinem ehem. Küchenfenster über den Botanischer Garten auf die Lahnberge samt Türmchen)
(Die gleiche Aussicht wie zuvor, nur bei Nebel)
(Marburgs Oberstadt im Morgennebel)
(Das Schloß zur Morgendämmerung)
(Zufahrt zum Schloß im Morgengrauen)
(Am Schloß, diesmal bei klaren Sichtverhältnissen)
(das Schloß von der Marbach aus gesehen)
(Jüdischer Friedhof I)
(Jüdischer Friedhof II)
(Stadtbildgestaltung)
(über dem Eingang der E-Kirche)
(Die Uni-Bibliothek)
(einer der Phil Fak-Türme)
(2009 neu installierte Sitzplätze an der Mensa)
(Marburg vom Spiegelslust-Turm aus gesehen)
(das Landgrafenschloß vom Spiegelslust-Turm aus gesehen)
(die Alte Uni vom Spiegelslust-Turm aus gesehen)
(die E-Kirche samt der links gelegenen Ketzerbach vom Spiegelslust-Turm aus gesehen)
(die E-Kirche von der Marbach aus gesehen)
(und zu guter Letzt ein Baum im morgendlichen Schloßpark)




› SCHLUSSWORT

Aber apropos P+R... Jetzt mal ehrlich: Marburg ist 124,5 km² groß, zählt 549 Straßen, von denen sich nur ein Bruchteil in der Kernstadt befinden, und die Orte, die den typischen Touristen interessieren, liegen alle so dicht beieinander, dass die klassischen Touri-Strecken selbst von der Oma samt ihres Rollators erfolgreich gemeistert werden können. Unterschätzen sollte man jedoch die vielen Stufen nicht. Bereits die Gebrüder Grimm mutmaßten, dass es hier mehr Treppen auf den Straßen als in den Häusern gäbe. Frauen hingegen darf man gezielt empfehlen, auf inadäquates Schuhwerk zu verzichten. Pfennigabsätze mögen zweifelsohne schick aussehen, jedoch nicht die Trägerin, wenn sie dank des vielen Kopfsteinpflasters in der Oberstadt ständig umknickt, wegknickt, abrutscht – und zur fluchenden Xanthippe mutiert.

So, und jetzt ist mal Schluss hier. Ich weiß, ich hab die Fachwerkhäuser nicht erwähnt und ich hab das Kfz, das Trauma und das Knubbel nicht erwähnt (’tschuldigung, aber ihr seid nicht meine Welt), und ebenfalls nicht erwähnt habe ich z.B. das Café Vetter, was ich eigentlich hätte tun können, da es sich bestens für Studenten eignet, die von Oma und Opa Besuch bekommen. Außerdem hab ich das Bolschoi in Zwischenhausen vergessen, was mir schon so ’n bisschen Leid tut. Das Delirium mit Fratzkeller hab ich allerdings absichtlich Außen vor gelassen (gut, ihr findet das Deli am oberen Steinweg. Prost!). Aber jetzt reicht’s wirklich. Ich wollte schließlich nur ’nen Blog-Eintrag schreiben – und kein Buch! Falls jemand mehr oder genaueres wissen möchte, dann muss er sich selbst schlau machen. Zum einen bringt einen die Deutsche Bahn für’n Apfel und ’n Ei direkt in die Stadt, zum anderen gibt’s satt und genug Literatur zu Marburg. Und zu guter Letzt ist  das Internet auch reichlich mit Informationen gefüllt.

Au revoir!


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Kommentare:

SueSonic hat gesagt…

Aaaaaaargh, wie schön!!! :-)) Cool, hast du jetzt also auch dein Blog?! Das ist schön, ich wünsche viel Spaß damit!
Deine Fotos sind ja mal geil, besonders die Nebelbilder und das mit den beiden Personen auf dem Dach, von oben fotografiert. Sehr fein.
Liebe Grüße aus München!

meinmarburg hat gesagt…

Hallo,

danke erstmal für deine Kommentare in meinem Blog. Du hast dir allerdings auch ein echt schönes Blog. Der obige Artikel und vor allem die Fotos haben mir sehr gut gefallen. :)

Viel Erfolg für dein neues Blog wünsch ich dir.

Liebe Grüße,
Deborah

»Blackwood« hat gesagt…

Vielen Dank Euch Beiden! – für die netten Worte und die guten Wünsche ...

Wenn's gefällt, stimmt's mich absolut zufrieden :).

LG zurück ~ Blacky

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